Böller und Feinstaub

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Der Jahreswechsel wird traditionell mit Feuerwerk gefeiert. Der Grund dafür, ein neues Jahr möglichst lautstark zu begrüßen, kommt noch aus heidnischen Zeiten: Krach soll böse Geister vertreiben, diese möchte man möglichst weit von sich fernhalten. Geisterglaube mag beim heutigen Feuerwerk keine Rolle mehr spielen, dafür zeigt sich jedoch ein ganz reales Problem: Allein in der Silvesternacht wird ungefähr ein Prozent der Gesamtmenge des Feinstaubs frei, der in Deutschland im ganzen Jahr anfällt. Zu keinem anderen Zeitpunkt ist die Feinstaubbelastung so hoch wie am ersten Januar. Der zulässige Tagesgrenzwert von Feinstaub in der Luft liegt, je nach Größe der Staubpartikel, bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Durch das Silvesterfeuerwerk wird dieser Wert innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches überschritten, gemessen wurden Werte von bis zu mehreren Hundert Mikrogramm pro Kubikmeter. Das ist deutlich höher als jeder Grenzwert. Glücklicherweise wird dieser im Durchschnitt nicht unbedingt erreicht, sondern die Feinstaubbelastung bleibt darunter. Es gibt jedoch streng genommen kein Ausmaß an Feinstaubbelastung, das gesundheitlich völlig unbedenklich wäre. Anders ausgedrückt: Die allgemeine Belastung in deutschen Großstädten ist bereits ungesund – und diese beträgt nur einen Bruchteil der Feinstaubbelastung in der Silvesternacht.
Warum ist überhaupt eine derartig hohe Feinstaubbelastung ein so großes Problem für die Gesundheit? Feinstaub hat zahlreiche negative Auswirkungen, die man mittlerweile kennt. Eine erhöhte Belastung ist sowohl bei längerer Zeitdauer als auch kurzzeitig sehr gefährlich. Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems sind dabei deutlich stärker gefährdet. Auch Schwangere und kleine Kinder weisen ein erhöhtes Risiko auf, durch Feinstaub Gesundheitsschäden davonzutragen.
Zu den schädlichen Auswirkungen des Feinstaubs gehört, dass er die Atemwege beeinträchtigt. Es drohen auch Atemwegsinfektionen, Asthmaanfälle und Herzinfarkte. Eine hohe Feinstaubbelastung kann außerdem zu einem erhöhten Bedarf von Medikamenten bei Asthmatikern führen. Die Anzahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen steigt an, letzten Endes ist sogar die Sterblichkeit erhöht.
Gesunde Menschen werden zwar mit der temporär stark erhöhten Feinstaubkonzentration einer Silvesternacht verhältnismäßig gut fertig. Doch sie haben mit Menschen mit Vorerkrankungen eines gemeinsam: Die Partikel, aus denen Feinstaub besteht, sind teilweise extrem klein. Solche winzigen Teilchen gelangen beim Einatmen in die Lunge und schließlich sogar in den Blutkreislauf. Dadurch drohen Langzeitfolgen, beispielsweise können Krankheiten dadurch begünstigt werden.

Die Problematik des Feinstaubs durch Feuerwerk wird noch durch weitere Aspekte verstärkt. Einerseits steigt die Menge des Feinstaubs insgesamt an, das heißt, es sind durch das Feuerwerk mehr Partikel unterschiedlicher Größen in der Luft als sonst. Das bedeutet wiederum, dass gerade von den winzigen Partikeln, die am Ende Eingang in den Blutkreislauf finden können, mehr vorhanden sind als normalerweise. Damit erhöht sich auch das Risiko dafür, dass mehr von diesen Teilchen in den Körper gelangen. Andererseits reizt kalte und trockene Winterluft die Atemwege ohnehin schon und begünstigt damit die Reizungen durch den Feinstaub zusätzlich. Letzten Endes hinterlässt Feuerwerk außerdem nicht nur Feinstaub, durch das Böllern entstehen auch weitere, teils giftige Stoffe, die bereits für sich genommen negative Auswirkungen auf die Atemwege haben.

Insgesamt ist Feinstaub eines der größten Probleme für die Gesundheit, die in unserer Zeit existieren. Die regelmäßige Belastung unterscheidet sich stark, je nachdem, wo man sich aufhält. Auf dem Land mit wenig Verkehr ist die Luft deutlich weniger belastet als in Großstädten. Feinstaub entsteht jedoch nicht nur durch Abgase, sondern auch in ganz alltäglichen Situationen. So kann beim Staubsaugen Feinstaub aufgewirbelt werden, Kamine und Kerzen gehören ebenfalls zu den Verursachern. Mit vielen Feinstaubquellen rechnet man im Alltag deswegen gar nicht und kaum jemand kennt die Feinstaubbelastung, der er oder sie täglich tatsächlich ausgesetzt ist. Deswegen ist es umso wichtiger, vermeidbare Situationen, in denen man einer besonders hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt wäre, auch tatsächlich zu meiden.
Vor allem, wer zu den Risikogruppen gehört, findet statt dem Feuerwerk vielleicht auch einen anderen Silvesterbrauch, der weniger gesundheitsschädlich ist, aber ebenso viel Spaß macht.

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